RindRinderhaltungMit Gülle einstreuen

Mit Gülle einstreuen

Von Birgit LANG, LANDWIRT Redakteurin

Zur Mittagszeit halten die Braunviehkühe von Familie Aigner in Mattsee friedlich kauend Siesta in ihren Liegeboxen. Das ist ein bekanntes Bild auf Milchviehbetrieben, doch diese Kühe liegen auf einem ganz besonderen Streumaterial: separierte Gülle aus der eigenen Grube. Das Erstaunliche dabei: Obwohl die Tiere quasi auf ihrem eigenen Mist ruhen, sind die Euter ausgesprochen sauber und ihre Beine sind frei von Schwielen und Schmutz. Seit etwa einem halben Jahr streut Jungbauer Alexander Aigner die 65 Liegeboxen mit den separierten Feststoffen aus der hofeigenen Gülle ein. „Wir haben damit angefangen, weil das Einstreuen mit Stroh so arbeitsintensiv war. Früher haben wir eine dreiviertel Stunde gebraucht, heute bin ich in zehn Minuten fertig“, erzählt er zufrieden. Das Material lässt sich mit dem Hoftrac und einem Rechen leicht und rasch in den Boxen verteilen, alle drei bis vier Wochen wird nachgestreut. Die Streu ist weich, formbar und rieselt zwischen den Fingern hindurch wie leicht angetrocknete Blumenerde. Der Geruch ist erdig-würzig und in dem gut belüfteten Offenfrontstall kaum wahrzunehmen. Wenn man mit separierter Gülle einstreut, ist es besonders wichtig, dass das Material ausreichend trocken ist. Wird zu feucht eingestreut, bieten die Güllestoffe hervorragenden Nährboden für Keime. Damit sich diese nicht in der Einstreu vermehren, ist die korrekte Lagerung des Materials von größter Bedeutung. Alexander Aigner hat hierfür eine praktikable Lösung gefunden: „Nach dem Separieren mische ich die Gülle zu etwa einem Drittel mit kohlensaurem Bodenkalk und dann wird alles siliert.“ Durch das Mischen mit Kalk und die Silierung in Siloschläuchen kann der Betrieb die Einstreumenge für ein halbes Jahr auf einmal herstellen lassen und lagern. Mit Keimen hatte der Jungbauer keine Probleme, im Gegenteil: „Seit wir mit den Feststoffen einstreuen, sind die Euter viel sauberer, die Zellzahlen sind gleich geblieben, aber viel stabiler als früher mit der Strohmatratze. Gerade mit dem Melkroboter funktioniert es jetzt reibungslos“, berichtet der Jungbauer. Außerdem würden die Kühe auch länger in den Boxen liegen und viel leichter aufstehen, meint er.