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Freie Fettsäuren vermeiden

Bei der Herstellung des Schweizer Greyerzer Käses (geschützte Rohmilch-Hartkäsemarke) fielen Käselaibe durch ranzigen und unüblichen Geruch auf. Vor allem beim Erhitzen des Käsebruches auf 57 Grad zeigten sich Proben, die auf einen unerwünschten Fettabbau hinwiesen. Der Buttersäuregeruch stieg deutlich an. Die Ursache dafür dürfte vorwiegend in zu kurzen Zwischenmelkzeiten liegen, die gehäuft auf Melkroboter-Betrieben auftraten.

Fettschutz braucht Zeit

Bei kurzen Melkintervallen werden die Fettmembranen (Hülle zum Schutz des Milchfettes) im Euter der Kuh weniger ausgebildet. Damit ist das Milchfett in der Folge kaum vor dem Abbau bzw. Verderb geschützt. Vor allem bei Rohmilchund Spezialkäseprodukten kann sich das negativ auswirken. Je kürzer die Milch im Eutergewebe gespeichert wurde, desto schneller und stärker verläuft die Fettspaltung nach der Melkung und desto mehr freie Buttersäure wird festgestellt. In Schweizer Studien wurden bei sehr kurzen Melkzeiten die höchsten Buttersäuregehalte gemessen. Bei Melkintervallen von über acht Stunden waren die Werte günstiger. Dann lagen die untersuchten Roboter-Betriebe im Schnitt bereits näher bei den zweimal täglich melkenden Melkstandbetrieben. Der Gehalt an freien Fettsäuren kann um weitere 40 % gesenkt werden, wenn die Zwischenmelkzeiten von acht auf zwölf Stunden verlängert werden. Kurze Melkintervalle führen demnach zu einer gesicherten Zunahme von freien Fettsäuren und können damit – je nach weiterem Verarbeitungsprozess – das Risiko für einen unerwünschten Fettabbau erhöhen.

Kurze Zwischenmelkzeiten erkennen

Der LKV Bayern nutzt seit 2016 ein Computerprogramm, das die tatsächlich erzielten Zwischenmelkzeiten analysiert. Voraussetzung für die Nutzung ist die Teilnahme an der Milchleistungsprüfung und die Lieferung der MelkroboterDaten online an den LKV. Auch in Österreich arbeiten Berater mit diesem Programm. Es ist im RDV4M für alle Mitglieder der Kontrollverbände verfügbar, die ein AMS verwenden.

Management bedeutend

Im Jahr 2013 verglichen Schweizer Forscher die Milchqualität (Zellzahl, Keime, Gefrierpunkt, freie Fettsäuren, etc.) in Melkroboterund Melkstandbetrieben. Die Ergebnisse streuten zwischen den Betrieben mit gleichem Melksystem stärker als mit unterschiedlicher Melktechnik. Das bedeutet, dass das Betriebsmanagement wichtiger für die Qualität war als das Melksystem als solches. Die größten Betriebsunterschiede zeigten sich innerhalb der Melkroboterbetriebe (AMS). Vor allem die Stallhygiene (Liegeboxen, AMS, Laufgänge etc.) und die optimale Betreuung der Tiere und des AMS sind hier besonders entscheidend.

Zusammengestellt von Priv.-Doz. Dr. Andreas Steinwidder von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.