Landwirt ServicesBioBio-Milchvieh„Fast jeder Liter Bio-Milch war vorher ein Liter konventioneller Milch“

„Fast jeder Liter Bio-Milch war vorher ein Liter konventioneller Milch“

Ein Interview mit Roman GOLDBERGER, LANDWIRT Redakteur

LANDWIRT: Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an den Lebensmitteleinzelhandel denken?

Jan Plagge: Der Lebensmitteleinzelhandel (Anm. Red.: LEH) bringt Bio in die Breite – dorthin, wo viele Menschen einkaufen. Er hat aber auch ein großes Potenzial, den Bürgern in der Breite mehr heimische, attraktive und wertige Bio-Premiumprodukte anzubieten. So kann der notwendige ökologische und ökonomisch nachhaltige Umbau der Landund Lebensmittelwirtschaft von der Marktseite her unterstützt werden.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist einerseits ein „Umsatzbringer“, andererseits kann er mit seiner Machtposition auch starken Druck auf Erzeugerpreise, Haltungsanforderungen etc. ausüben. Legt sich die Bio-Branche da mit dem Teufel ins Bett?

Das Bild ist entstanden, weil es einzelne Händler mit der Nutzung ihrer Machtposition übertrieben haben. Die unfairen Handelspraktiken sowie Ausschreibungsund Vergabemethoden stehen zu Recht in der Kritik.

Hinzu kommt, dass sich der landwirtschaftliche Sektor gerne selbst in der Opferrolle sieht, wenn beispielsweise zu viel Milch oder Fleisch produziert wird, und man nicht bereit ist, gemeinsam organisierte Mengenregulierungssysteme einzuführen. Beides, einseitige Machtausnutzung und fehlende Bereitschaft, die Produktion zu beschränken, führte zu dem Zerrbild und der Sündenbockrolle des LEHs heute.